Traditionelle Tugendenden im Zeitalter der modernen Kurzweiligkeit – Part 2

Respekt
Ehrlichkeit, Respekt, Verantwortung, Geduld –ziemlich altmodisch und die Jahre gekommen, könnte man meinen. Doch traditionelle Werte sind aktueller und wichtiger denn je.
Warum sie in unserem Leben eine so wichtige Rolle spielen? Jeder Mensch braucht Wegweiser, einen Leitfaden durchs Leben, einen Grund am Morgen aufzustehen. Aber wofür morgens noch aufstehen, wenn man für nichts mehr einstehen kann?
Respekt: Jedem Menschen auf Augenhöhe zu begegnen – darauf kommt es an
Wahrscheinlich habe ich die Sache mit dem Respekt nur nicht richtig verstanden. Wenn Kinder nicht im Bus aufstehen, weil eine ältere Dame Platz nehmen möchte: respektlos! Wenn Dieter Bohlen „DSDS“-Kandidaten fertigmacht: Respekt, endlich sagt’s mal einer ohne sich zu genieren! Mohammed-Karikaturen in westlichen Medien: respektlos. „ Je suis Charlie“ nach dem Anschlag 2011. Und wenn ein sogenannter Berliner Gangsterapper vom Ficken singt: Yo, respect, Alder!

Es gibt wohl kein Wort, das öfter missbraucht und weniger verstanden wird als Respekt. Und es gibt wohl kaum ein Konzept, das heftiger durch unsere Nachlässigkeit und Unwissenheit ins Wanken geraten ist in einer Gesellschaft, in der Autoritäten und Vorbilder – die guten alten„Respektspersonen“ – gleich reihenweise vom Sockel kippen, wie uns etliche gedopte Spitzensportler, Lehman-Brothers-Banker mit Millionen-Boni, Politiker mit Kinderporno-Sammlungen und Plagiatsaffären jeden Tag wieder aufs Neue beweisen.

Doch die Zeiten, als Respekt etwas mit kritikloser Unterwürfigkeit vor vermeintlich höhergestellten Persönlichkeiten zu tun hatte, als man sich Amtspersonen, Vorgesetzten, Eltern, Lehrern quasi nur auf Knien nähern durfte, sind ohnehin schon längst vorbei, denn „nichts ist kläglicher als Respekt, der auf Angst beruht“, wie Camus schrieb. Wenn es überhaupt noch den „vertikalen“ Respekt von unten nach oben gibt, dann muss er verdient sein. Eine Respektsperson muss nicht laut sein, um gehört zu werden. Muss keine Angst verbreiten, um geachtet zu werden. Aber Respekt kommt auch nicht von allein. Respekt muss man sich verdienen, in dem man jeden Tag aufs Neue an sich arbeitet.

Respekt ist ein Verhältnis auf Augenhöhe

Durch Leistung, Vertrauenswürdigkeit, faires Verhalten – und nicht zuletzt durch den Respekt, der auch in umgekehrter Richtung erwiesen wird. Denn Respekt, wie er heute verstanden wird, ist ein Verhältnis auf Augenhöhe, ein soziales Grundgesetz – die bedingungslose gegenseitige Achtung voreinander. Ein Geben und Nehmen im ganz ursprünglichen Sinne.

alte Waage

Bedingungslos, das heißt: Wir sind alle gleich wichtig, egal in welchem Verhältnis wir zueinander stehen, welche soziale oder gesellschaftliche Stellung wir einnehmen oder wie intelligent jemand ist. Denn auch ein überaus intelligenter Mensch wird es schaffen seine Belange und Weltansichten einem weniger intelligenten Menschen so zu kommunizieren, das auch dieser ihm folgen kann. Jeder Mensch wird als autonome Person mit eigenen Bedürfnissen wahrgenommen; niemand muss eine Voraussetzung erfüllen, um respektiert zu werden. Nach wie vor gilt der alte kategorische Imperativ: Andere so zu behandeln, wie man selbst behandelt werden will. Doch Respekt ist nicht nur eine gesellschaftliche Verabredung auf Gegenseitigkeit, sondern eine Vorleistung und jeder sollte sich dessen bewusst sein.

Respekt sagt: Ich nehme dich ernst, ich traue dir etwas zu.
Ich schätze dich für das, was du bist, so wie du bist. Oder anders gesagt: Ich schätze dich genau weil du Du bist. Oder, um hier mal ganz pathetisch zu werden, mit Voltaire: „Du bist anderer Meinung als ich und ich werde dein Recht dazu bis in den Tod verteidigen.“ Wie alle Selbstverständlichkeiten ist Respekt eine unsichtbare, leise Tugend.

Es ist immer nur dann von ihm die Rede, wenn er verloren ist. Dann steht man da und blickt ins Leere. Wir brauchen lange, um Respekt zu erlangen vor anderen. Wochen, Monate, Jahre. Insbesondere bei innigen sozialen Verbindungen. Von Partnerschaften ganz zu schweigen. Unwahrheiten, Betrug oder nicht eingelöste Versprechungen lassen uns diesen hart erarbeiteten über einen langen Zeitraum angehäuften Respekt oft in Windeseile verlieren.
Weltbilder müssen neu geordnet werden und manch einer stellt sein eigenes Einschätzungsvermögen sogar in Frage.
Das gleiche Prinzip ist übrigens für die Freiheit vorgesehen, von der Freiheit immer nur gesprochen wird, wenn sie wieder einmal gefährdet ist. Echter, von Herzen kommender Respekt ist nicht vortäuschbar. Er ist auch nicht einklagbar, man erhält ihn immer nur auf freiwilliger Basis: Wer Respekt fordert, bekommt ihn selten. Deshalb ist er eine der schwankendsten und zugleich härtesten, aber wichtigsten Währungen, die wir haben.
Und dessen sollten wir uns bewusst sein.

Die traditionellen Tugenden im Zeitalter der modernen Kurzweiligkeit

Augenblicke

Hallo ihr Lieben,

ich habe nun schon lange keinen Beitrag mehr verfasst und dachte mir ich lass mal wieder etwas von mir lesen.

Die traditionellen Tugenden in Zeiten der modernen Kurzweiligkeit

Dieser Beitrag hat nichts mit neuen wissenschaftlichen Errungenschaften, dem Kapitalmarkt oder neuen Linkbuilding Strategien zu tun. Sondern mit reiner Reflektion und Selbstwahrnehmung in einer Zeit, die immer schnelllebiger und ungeduldiger wird.
Nachdem ich nun mehr und mehr miterlebe wie es momentan um unsere “alten Traditionen” steht und das Gefühl nicht loswerde, dass sie immer weiter aus unserem prall gefüllten Alltag verschwinden, wollte ich eine Lanze brechen für die Tradition und die alten Tugenden und warum ich es für äußerst wichtig erachte, dass wir sie nicht außer Acht lassen, sondern genau da wieder anknüpfen. Aus reiner Selbstliebe, aber auch Liebe unserer Mitmenschen gegenüber. Ich habe die einzelnen Tugenden, die ich beleuchten möchte thematisch eingeteilt und beginnen möchte ich mit der Geduld.
Geduld
Die einen haben sie inne, als seien sie die Ruhe selbst und die anderen könnten schon beim Gedanken an sie an die Decke gehen. Scheiden sich doch hier die Geister. Ich persönlich übe mich Tag täglich in ihr mehr oder weniger erfolgreich.
Aber was genau fordert diese Begrifflichkeit eigentlich von uns? Müßiggang? Gleichgültigkeit? Keineswegs. Schlicht die Fähigkeit zu Warten. Es geht hier um einen Lern – und Reifeprozess, den sich der Mensch über die Zeit hinweg aneignen muss. Da wir nur Prozesse verinnerlichen, die wir uns immer wieder in das Gedächtnis rufen durch stetiges Training, ist es daher unerlässlich die Geduld in verschiedensten Situationen immer wieder zu üben und sich dabei gezielt selbst zu reflektieren. Wie reagiere ich? Wann werde ich ungeduldig? Warum? Der Betriebswirtschaftler würde hier vielleicht auch einen Kosten – Nutzen Vergleich mit hinzufügen.
Da nicht jeder Mensch nun gleichermaßen reflektiert ist, ist es auch hier wichtig sein persönliches Maß zur inneren Balance zu finden.
In einer Zeit, in der man jede Information in Sekundenschnelle abrufen kann, Bestellungen binnen weniger Minuten online tätigen kann, Same – Day delivery Alltag in deutschen Haushalten ist und ich Nachrichten mittlerweile schon auf der Armbanduhr abrufen und versenden kann, ist es schwierig von einem selbst und seinen Mitmenschen zu verlangen sich auf Dinge zu besinnen und nun ja – zu warten. Wir sind es einfach gewöhnt stets alles zur Verfügung in schier unbegrenzter Ressource zu haben. Warum denn dann auch geduldig sein?

Geduld macht glücklich
Permanente unmittelbare Bedürfnisbefriedigung ist auf Dauer unbefriedigend. Hier liegt die Ironie der Sache. Die Disziplin, die an den Tag gelegt werden muss, um seine gesetzten Ziele zu erreichen, ist für viele Menschen, und da schließe ich mich nicht aus, eine große Hürde. Bedarf es doch einer verstärkten Selbstbeobachtung und Konditionierung. Die Erleichterung und der Stolz, den man jedoch bei Erreichung seiner Ziele empfindet, ist unübertroffen und macht uns glücklich. Man gibt sich schließlich dadurch selbst positives und selbst generiertes Feedback. Sozusagen „self-made Glück“ .
Friedrich Schiller: ” Die Zeit bringt Rat. Erwartet´s in Geduld. Man muss dem Augenblick auch was vertrauen.”
Daher mein Appell an alle, denen es nie schnell genug gehen kann. Einfach mal entspannt zurück lehnen und die Welt um sich herum entschleunigen.